Wind über Wien wird geprüft…

    Die Donau, eingefärbt nach dem Wind darauf

    Der Fluss lädt …

    Die Mathematik, in Worten

    Die Windrichtung aus der Vorhersage ist meteorologisch: die Himmelsrichtung, aus der der Wind kommt. Gegen einen 300°-Wind zu fahren heißt, nach Nordwesten zu fahren, mitten hinein.

    Für einen Fahrtkurs θ und eine Windrichtung w bei Stärke v:

    Gegenwind = v · cos(w − θ)   → positiv = Gegenwind, negativ = Rückenwind
    Seitenwind = v · sin(w − θ)  → der Schub von der Seite

    Die Fahrt dauert Stunden, also dreht der Wind

    57 km hin und zurück bei 23 km/h sind zweieinhalb Stunden. Der Wind am Umkehrpunkt ist oft nicht mehr der, in dem du losgefahren bist. Deshalb wird jeder Abschnitt gegen die Vorhersage für die Stunde gewertet, in der du tatsächlich darauf bist.

    Diese stündlichen Winde werden als Vektoren gemittelt, nicht als Zahlen. 350° und 10° arithmetisch gemittelt ergibt 180° — genau verkehrt herum.

    Die wichtigste Zahl ist der Netto-Wert:

    netto = Gegenwind(Hinweg) + Gegenwind(Heimweg)

    Bei stetigem Wind hebt sich das ungefähr auf — was du hinaus kämpfst, bekommst du heim zurück. Ein deutlich positiver Wert heißt: der Wind dreht mit dir mit und du fährst in beide Richtungen dagegen an. Das ist der Tag, den man vorher wissen will.

    Der Fluss ist keine Gerade

    Aus Wien heraus läuft die Donau nach Nordwesten, schwenkt aber bei Greifenstein scharf nach Westen — von 302° auf 265° — Richtung Tulln. Flussabwärts biegt sie andersherum, von 120° bei der Lobau auf 87° hinter Eckartsau. Rückenwind auf einem Abschnitt ist Seitenwind auf dem nächsten.

    Die Route ist deshalb eine Liste von Abschnitten mit je eigenem Kurs und eigener Länge, jeder gegen den Wind seiner eigenen Stunde gewertet. Die Gesamtwerte sind längengewichtete Mittel daraus, keine einzelne Zahl für den ganzen Fluss.

    Die Punkte von 100

    Die Zahl auf jeder Richtungskarte ist kein Messwert, sondern eine Rangfolge: sie existiert nur, damit sich zehn Richtungen sortieren lassen. Jede Fahrt startet bei 100, und es gibt ausschließlich Abzüge — Rückenwind bringt keine Punkte, er kostet bloß keine. Deshalb bedeutet 100 nicht „perfekt", sondern „nichts gefunden, was dagegen spricht".

    100
     −  2,2 · netto            Gegenwind hin UND heim, in km/h
     −  0,5 · Gegenwind hin
     −  0,9 · Gegenwind heim   heimwärts wiegt schwerer
     −  0,5 · Uferaufwand      gefühlter Wind auf der besseren Uferseite
     −  1,6 · Höhenmeter       als km/h Gegenwind gerechnet
     −  0,6 · (Böen − 35)      erst über 35 km/h
     − 0,25 · Regen            Spitzenwahrscheinlichkeit in %
     −   30 · Anteil nach Sonnenuntergang
     −   55 · Anteil nach letztem Licht
                               danach auf 0–100 begrenzt

    Negative Posten zählen nicht: Rückenwind, Gefälle und ein trockener Himmel setzen ihre Zeile schlicht auf null.

    Drei Entscheidungen darin sind Absicht und keine Physik. Der Netto-Wert wird doppelt gezählt — einmal als eigener Posten mit dem mit Abstand größten Gewicht, dann noch einmal über Hin- und Heimweg einzeln. Das ist gewollt: ein Tag, an dem der Wind mitdreht und dich in beide Richtungen anbläst, soll jede andere Überlegung überstimmen. Höhenmeter wiegen etwas weniger als Wind derselben Größe (1,6 gegen 2,2), weil ein Anstieg ein Ende hat und man ihn einteilen kann; der Wind lässt nicht nach. Und Dunkelheit ist der härteste Posten, weil sie als einzige nicht bloß unangenehm, sondern gefährlich ist — eine Fahrt, die ganz hinter dem letzten Licht liegt, verliert 85 Punkte und ist damit erledigt, wie gut der Wind auch stünde.

    An ruhigen Tagen liegen die Richtungen entsprechend eng beisammen, und dann ist der Vorsprung von zwei, drei Punkten nichts, worauf man etwas geben sollte. Lies die Zahl als Reihenfolge, nicht als Note.

    Eine Karte, zwei Maßstäbe

    Es waren vier Kartenabschnitte. Das war der Fehler: eine Seite, die eine Frage beantwortet, hatte vier getrennte Bilder derselben Landschaft, und du musstest sie nebeneinanderhalten und selbst herausfinden, wie sie zusammengehören. Der Grund dafür war echt — die Donauinsel ist 200 m breit, also drei Pixel in einem 67-km-Rahmen — aber die Antwort auf ein Maßstabsproblem ist ein Zoom, keine weitere Karte. Jetzt gibt es eine Karte, und der Ausschnitt ist stufenlos: Mausrad, Doppelklick, zwei Finger, die Knöpfe + und −, oder die Pfeiltasten. Ziehen verschiebt. Wo du stehen bleibst, bleibt gespeichert.

    Der Zoom ist zuerst als Umschalter zwischen zwei festen Ausschnitten gebaut worden, und das beantwortete „zeig mir Wien" und sonst nichts. Wer wissen wollte, an welcher Ecke in Klosterneuburg der Brunnen steht, hatte keine Stufe dafür. Rund um Wien und Wien stehen weiter als Knöpfe da, sind aber nur zwei Werte von vielen.

    Er kostet keine einzige zusätzliche Wetterabfrage. Das Windgitter sind feste 5 × 4 Punkte über dem ganzen Kasten; Zoomen projiziert sie neu und blendet aus, was aus dem Rahmen fällt. Alles andere liegt ohnehin als Datei da. Nachgemessen: null Abfragen über eine ganze Zoom- und Schiebesitzung.

    Die Grenzen kommen aus den Daten. Ganz heraus ist der Kasten, für den es Gelände und Straßen gibt; ganz hinein sind 3 km Breite. Diese Grenze war zweimal etwas anderes, und beide Male hat sie dasselbe entschieden: wie weit die Daten tragen. Zuerst 3,7 km — da war die halbe Karte schwarz, weil es keine Wohnstraßen gab, und „das haben wir nicht" sieht aus wie „das ist kaputt". Dann 9 km, was ehrlich war, solange das stimmte. Seit die Wohnstraßen dabei sind, stimmt es nicht mehr, also geht es wieder tiefer: bei 3 km ist ein Pixel dreieinhalb Meter.

    Das Gelände wird beim Hineinzoomen blasser, weil sein Höhenraster 1,4 km misst und feiner nichts weiß. Wege, Gewässer und Brunnen sind vermessene Geometrie und bleiben in jedem Maßstab scharf.

    Und die gewählte Runde ist eingezeichnet. Das hat vorher gefehlt und war der eigentliche Mangel: die Seite empfahl eine Richtung, rechnete sie durch, zeichnete ihr Höhenprofil — und zeigte dann eine Karte der Gegend, auf der die Strecke nicht vorkam. Jeder Abschnitt ist nach dem Wind eingefärbt, den du auf ihm hast.

    Die Karte darüber ist der Fluss selbst, von Zwentendorf bis Bratislava, mit dem Wind an jedem Punkt auf dem Wasser abgefragt statt aus einem einzigen Wiener Messwert hochgerechnet. Das macht einen Unterschied: an einem windigen Nachmittag hat das Tullnerfeld 24 km/h, während die Stadt bei 7 liegt, weil der Wienerwald dazwischensteht.

    Die Pfeile zeigen, wohin der Wind weht, nicht woher — neben einem Radweg ist das die einzige interessante Frage. Die Farbe beantwortet sie gegen den Fluss: grün trägt dich flussabwärts Richtung Bratislava, rot zurück flussaufwärts Richtung Tulln, grau quer über den Weg.

    Die große Karte zeigt denselben Wind auf einem Raster über das Land rund um Wien — für die Tage, an denen die Antwort „heute nicht die Donau" lautet. Ihr Hintergrund ist echtes Gelände, einmalig aus Höhendaten abgetastet und mitgeliefert.

    Darauf liegt ein Straßennetz aus OpenStreetMap: Autobahnen, Bundesstraßen, Landesstraßen und Landesstraßen dritter Ordnung, dazu die Fernradrouten. Ohne das war das Relief nur Schattierung — Hügel, die man nicht benennen kann, sind Textur.

    Welche Klassen zu sehen sind, hängt am Ausschnitt. Ganz herausgezoomt nur Autobahnen und Bundesstraßen; die kleineren kommen dazu, sobald sie Linien sind statt Textur. Eine Klasse verschwindet also nicht, weil sie unwichtig wäre — für eine Radseite sind gerade die kleinen das Netz, auf dem man fährt —, sondern weil sie im falschen Maßstab nur ein graues Gespinst ergibt, in dem die Autobahn untergeht. Dasselbe gilt für die Nummern: auf der Übersicht nur A und B, denn 87 Landesstraßenkürzel begruben die Gipfel unter Zahlen, nach denen niemand navigiert. Näher dran ist genau dieselbe Nummer das, wonach man an der Kreuzung sucht.

    Die Wohnstraßen stehen in einer eigenen Datei und werden erst geholt, wenn jemand nah genug hineinzoomt, dass sie gezeichnet würden. Der Grund ist ihre Menge: highway=residential sind im selben Ausschnitt 37 857 Wege — vierzehnmal so viel wie das ganze übrige Straßennetz, 1,2 MB gegen 140 KB. In dieselbe Datei gepackt müsste jeder Seitenaufruf sie mitladen, auch der, der nie über die Übersicht hinausgeht. So zahlt nur dafür, wer sie auch sieht.

    Roh sind das über eine Viertelmillion Koordinaten in 29 000 Teilstücken, weil OSM jede Straße an jeder Kreuzung zerschneidet. Zur Bauzeit werden sie nach Nummer wieder verkettet und dann vereinfacht. Die Reihenfolge ist der ganze Trick: ungekettet kostet eine feine Vereinfachung fast nichts und bringt auch nichts — 58 213 Punkte bei 220 m Toleranz gegen 62 540 bei 25 m, weil kein Bruchstück unter zwei Punkte fallen kann. Verkettet greift sie erst, und dann ist Genauigkeit beinahe geschenkt. Die Toleranz liegt deshalb jetzt bei 35 bis 80 m statt bei einheitlich 220: auf einer 67-km-Übersicht waren 220 m drei Pixel, seit man auf 9 km hineinzoomen kann sind es zweiundzwanzig — die Kurve, an der man abbiegt, lag eine Straßenbreite daneben.

    895 Ortsnamen, auch aus OpenStreetMap. Vorher waren es 28, von Hand getippt — sie stimmten, aber sie waren eine Auswahl, die sich als Bestand ausgab: zoomte man auf Klosterneuburg hinein, blieb genau eine Beschriftung stehen, und zwar nicht aus Platzmangel, sondern weil es die zweite in der Liste nicht gab. Welche zu sehen sind, entscheiden jetzt zwei Dinge nacheinander: die Ortsklasse sagt, wer zuerst drankommt — Wien vor Tulln vor Kritzendorf vor einem Weiler —, und der freie Platz sagt, wie viele hinpassen. Beim Hineinzoomen wird deshalb nicht die Schrift größer, sondern die Liste länger.

    718 Gipfel statt 18. Die 18 sind weiter etwas anderes und bleiben Handarbeit: bei ihnen hat jemand beurteilt, dass Asphalt hinaufführt, und sie tragen Höhenmeter und Länge der Auffahrt — das führt OpenStreetMap nicht. Sie stehen deshalb voll ausgefüllt da, mit Namen und Höhe. Die anderen 700 sind benannte Gipfel ohne dieses Urteil: hohles Dreieck, Name und Höhe erst im Tooltip. Sie erscheinen nach Höhe — ganz draußen ab 800 m, hineingezoomt ab 180 m —, denn über 700 m gibt es schon 42 und über 500 m 230, und die lagen bei voller Übersicht alle im selben Eck und sahen dort aus wie ein Ausschlag.

    Dazu Höhenlinien alle 100 m, jede fünfte kräftiger. Schattierung sagt dass sich der Boden bewegt, aber nicht um wie viel: bei gleichem Neigungswinkel sieht ein 60-Meter-Buckel aus wie ein 600-Meter-Berg. Höhenlinien legen einen Maßstab darüber.

    Die Legende ist der Schalter: ein Klick blendet eine Ebene aus und wieder ein — Gelände, Straßen, Radwege, Gewässer, Gipfel, Orte, Wind. Auf einer Karte, die all das gleichzeitig trägt, ist das mehr wert als eine Legende, die nur erklärt, was ohnehin zu sehen ist. Was du ausschaltest, bleibt gespeichert.

    Beschriftungen werden nach Wichtigkeit gesetzt — große Orte, dann Gipfelnamen, dann Höhen, dann kleine Orte, zuletzt Straßennummern — und was keinen freien Platz findet, entfällt; sonst lag „Kahlenberg" quer über Klosterneuburg. Jedes Dreieck trägt seine Höhe, auch ohne Namen; Zeiger drauf gibt Name, Höhe und Anstieg.

    Unter der Karte stand dazu eine Liste aller gezeichneten Gipfel. Sie ist weg. Sie war als Ausweg gedacht für Namen, die auf der Karte keinen Platz fanden, und wuchs auf 23 Kacheln unter einem Bild, das ohnehin schon voll war — ein zweites Verzeichnis derselben Berge, das mit der Frage „wie fahre ich heute" nichts zu tun hat.

    Die Dreiecke sind Gipfel, die man mit dem Rennrad hinauffährt. Was nur über einen Steig hinaufgeht, fehlt bewusst: der Hermannskogel ist der höchste Punkt Wiens und steht nicht drauf, weil du das Rad tragen würdest. Positionen und Höhen kommen aus OpenStreetMap — davor waren sie von Hand eingetippt und teils kilometerweit daneben. Länge und Steigung der Anstiege bleiben Schätzungen für die gängige Auffahrt.

    Wasser unterwegs

    Die blauen Punkte sind Trinkbrunnen, gefasste Quellen und Wasserhähne aus zwei Quellen. OpenStreetMap deckt den ganzen Ausschnitt ab, auch Wienerwald und Weinviertel. Für das Wiener Stadtgebiet kommt der amtliche Datensatz der Stadt Wien dazu — sie betreibt die Brunnen, also weiß sie es am besten. Der Abgleich hat sich gelohnt: 465 trinkbare Stellen kennt die Stadt, zu denen OpenStreetMap im Umkreis von 40 m nichts führt, überwiegend Trinkhydranten. Zusammen sind es 2564 statt 2099.

    Aufgenommen ist nur, was man auch benutzen darf: alles mit drinking_water=no oder privatem Zugang fällt raus, und eine Quelle im Wald zählt nur mit ausdrücklicher Trinkwasser-Angabe — ohne die ist sie eine Vermutung, kein Brunnen. Aus dem Stadtdatensatz zählen Zierbrunnen, Spielbrunnen und Sprühnebelduschen nicht: 515 der 2378 Anlagen sind Architektur oder Abkühlung, keine Wasserstelle.

    Jeder Brunnen ist ein eigener Punkt. Nahe beieinanderliegende Stellen wurden anfangs zu einem Sammelpunkt verschmolzen, weil sie sich auf der Übersicht überlappen — der Tooltip sagte dann „53 Wasserstellen" an einer Stelle, an der ein einziger Kreis stand. Das ist keine Vereinfachung: man will wissen wo die Brunnen sind, und genau das verschweigt ein Sammelpunkt. Überlappung ist dagegen in Ordnung — wo fünf Brunnen auf zweihundert Metern stehen, liegen fünf Kreise übereinander, und das sieht dicht aus, weil es dicht ist. Für die einzelne Stelle gibt es die Ansicht Wien; dort fallen sie von selbst auseinander. Die Zahl im Satz unter der Karte und die Zahl der Kreise auf ihr sind seitdem dieselbe.

    Ohne gewählte Richtung liegen alle Wasserstellen des Ausschnitts als leiser Belag da, sobald der Ausschnitt schmaler als 37 km ist. Weiter draußen nicht: bei 67 km ist ein Punkt 76 Meter breit, über Wien wird daraus eine blaue Fläche, die die Karte zudeckt und nichts beantwortet — man unterscheidet in ihr keinen einzelnen Brunnen mehr. Für eine gewählte Route gilt das nicht: die Brunnen an ihr sind wenige, liegen auf einer Linie und sind die Antwort auf die Frage, für die man die Route gewählt hat. Die bleiben in jeder Stufe.

    Der leise Belag ist kleiner, blasser und hat einen dünneren Ring. Mit gewählter Richtung bleibt nur, was näher als 400 m an deiner Strecke liegt — der Umweg, den man für Wasser noch fährt —, dafür voll ausgezeichnet und mit Kilometerstand im Tooltip. Dieselben Daten, zwei Lautstärken. Die Zahl, die wirklich zählt, steht im Satz darunter: nicht wie viele Brunnen, sondern das längste Stück ohne.

    Hohle Punkte sind saisonal. Die Wiener Trinkhydranten werden zur warmen Jahreszeit angeschlossen und im Herbst wieder abgebaut; überhaupt werden die städtischen Brunnen im Winter abgedreht, damit sie nicht einfrieren, und etwa im April wieder aufgesperrt. Von November bis März steht das als Warnung unter der Karte — dann ist sie ein Standortverzeichnis und keine Zusage.

    Warum das längste Stück ohne Wasser und nicht die Anzahl: ob zwölf Brunnen an der Strecke stehen, ist ziemlich egal, wenn elf davon in den ersten fünf Kilometern liegen.

    Vier Donaus

    Sobald der Ausschnitt schmaler als 33 km ist, ist der Fluss ein Fluss mit vier Armen statt einer blauen Linie. Weiter draußen ginge das nicht: dort ist die Donauinsel 200 m in einem 67 km breiten Rahmen, also drei Pixel — ein früherer Versuch, sie dort einzuzeichnen, kam als Faden neben einem dicken blauen Band heraus und sah kaputt aus. Die Daten stimmten, der Maßstab nicht.

    Die Donau ist der Strom. Die Neue Donau ist der Hochwasserarm, für den die Insel überhaupt aufgeschüttet wurde. Die Alte Donau ist ein abgeschnittener Altarm und heute ein stehender See. Der Donaukanal läuft durch die Stadt. Alle vier kommen als echte Flächen aus OpenStreetMap, nicht als Striche.

    Die Donaubrücken sind die einzigen Stellen, an denen du die Uferseite wechseln kannst. Sie waren zweifach mangelhaft. Erstens endete das Abfragefenster bei 16,55° Ost, also gab es fünfzehn Brücken, alle zwischen Nußdorf und der Lobau — für eine Seite, die Runden nach Tulln vorschlägt, war das eine falsche Auskunft: die Tullner Donaubrücke existiert, sie war bloß nie geholt worden. Jetzt sind es 24 über den ganzen Ausschnitt, und sie stehen in jeder Zoomstufe da. Autobahnbrücken zählen nicht mit — über die kommt man mit dem Rad nicht.

    Zweitens waren sie Kreise. Ein Kreis ist auf einer Karte alles Mögliche: ein Ort, ein Messpunkt, eine Marke. Eine Brücke ist ein Weg quer über den Fluss, und genau so sieht sie jetzt aus — ein heller Balken rechtwinklig zur Fließrichtung, mit dunkler Fassung und zwei Widerlagern an den Enden. Die Fließrichtung dafür kommt aus der vermessenen Flussmittellinie, damit jede Brücke wirklich quer liegt und nicht bloß ungefähr.

    Was laut ist, und was leise

    Der Überblick bestand aus elf gleich großen Karten mit je drei Zeilen Text. Elf gleich laute Antworten sind aber dasselbe wie keine laute: „Regen möglich" und „Sicht klar" bekamen denselben Platz, und der Blick hatte keinen Grund, dort zu landen, wo es um die Ausfahrt geht.

    Eine Karte bekommt deshalb nur noch, was etwas zu melden hat — alles Gelbe und Rote —, dazu die zwei, die den Tag immer entscheiden: Wind und was du anziehst. Der Rest steht als eine Zeile darunter, mit Wert, aber ohne Erklärung. Antippen klappt den Satz auf; nichts ist gelöscht, es drängt sich nur nichts mehr auf. An einem ruhigen Tag sind das drei Karten statt elf, an einem Sturmtag wachsen es von selbst wieder mehr.

    Die Zeichen sind hier gezeichnet, nicht geladen: gleiches Raster, gleiche Strichstärke, keine Füllung, und sie nehmen die Ampelfarbe ihrer Kachel an. Emoji wären einfacher gewesen und auf jedem Gerät anders ausgefallen — auf einer Seite aus elf Antworten genau die Uneinheitlichkeit, die weg sollte. Die leisen Zeilen stehen im selben Spaltenraster wie die Karten darüber, damit die Kanten untereinander bleiben.

    „Gefühlt bei Fahrt" und „Anziehen" waren zwei Kacheln für eine Sache: die zweite folgt vollständig aus der ersten, die gefühlte Temperatur ist der einzige Eingang in die Wahl der Kleidung. Jetzt trägt eine Kachel die Folgerung als Überschrift und die Zahl als Begründung.

    Gewitter

    CAPE ist der Brennstoff, der Wettercode sagt, ob die Vorhersage tatsächlich mit einer Entladung rechnet. Jedes für sich warnt zu oft — Wien hat im Sommer wochenlang genug Labilität für Gewitter, die nie kommen. Gewarnt wird deshalb nur, wenn beides zusammenkommt; hohe Labilität allein wird als Möglichkeit gemeldet, nicht als Warnung. Auf dem offenen Damm gibt es keinen Unterstand, deshalb steht das weiter oben als eine Regenwahrscheinlichkeit.

    Warum die Seite ein Gedächtnis hat

    Lange fragte der Browser Open-Meteo direkt. Das ist die einfachste Bauweise und hat eine unangenehme Folge: das kostenlose Kontingent zählt auf der IP-Adresse dessen, der fragt — und bei vielen Providern teilen sich Kunden eine Adresse. Dann verbrauchen Fremde das Kontingent mit, und die Seite ist für den Rest des Tages tot. Genau das ist passiert, bei einem Verbrauch von 1,3 Aufrufen je Seitenaufruf und einer Grenze von 10.000 am Tag.

    Deshalb liegt jetzt eine kleine Funktion auf Cloudflare davor. Sie hält die Antwort zehn Minuten für alle Besucher, also fragt die Seite höchstens sechsmal je Stunde nach — rund 190 Aufrufe am Tag, egal wie viele Leute sie benutzen, und gezählt dort, wo die Seite steht. Kein Schlüssel, kein Konto, keine Datenbank: die Funktion baut eine feste Adresse, holt sie und gibt sie weiter. Fällt sie aus, fragt der Browser wieder direkt.

    Deshalb wird die Vorhersage lokal gespeichert. Was jünger als zehn Minuten ist, kommt aus dem Speicher, ganz ohne Netz — häufiger als stündlich rechnet der Wetterdienst ohnehin nicht. Schlägt eine Abfrage fehl, wird auch ein älterer Stand genommen und sein Alter angeschrieben: eine Stunde alter Wind ist eine brauchbare Auskunft, ein roter Fehlerbalken ist keine. Der Knopf Neu laden geht trotzdem immer ans Netz, dafür ist er da.

    Ein voller Seitenaufruf kostet dabei rund 1,3 Aufrufe von 10.000 pro Tag — Open-Meteo zählt anteilig, ein Aufruf entspricht 14 Variablen über 14 Tage für einen Ort. Die Kartenwinde machen mit ihren 33 Orten fast alles davon aus.

    Und wenn die Grenze doch erreicht ist, sagt die Seite das jetzt richtig — mit dem Grund, den die API selbst mitschickt. Die Stundengrenze klingt wie die Tagesgrenze, hat aber eine ganz andere Folge: einmal warten gegen morgen wiederkommen. Vorher stand dort „Verbindung prüfen und neu laden": die Verbindung ist in Ordnung, und Neuladen hilft nicht.

    Taupunkt statt Luftfeuchte

    Der Taupunkt ist keine zweite Temperatur, sondern das Maß für Schwüle: je höher er liegt, desto schlechter kühlt dich der Schweiß. Bei 30 °C und 30 % Feuchte fährst du gut, bei 30 °C und 70 % nicht — die relative Feuchte allein sagt das nicht, weil sie von der Temperatur abhängt. Ab 16 °C Taupunkt merkst du es, ab 20 °C wird es zäh. Auf der Kachel steht diese Erklärung nur an den Tagen, an denen sie dich betrifft.

    Sonnencreme, ja oder nein

    Der UV-Index kommt stündlich aus der Vorhersage und wird für die Stunden der geplanten Fahrt gelesen, nicht für jetzt — ein Start um 17:00 trifft eine ganz andere Sonne als der Blick aus dem Fenster um Mittag.

    UV 3 ist die übliche Schwelle, aber sie gilt für irgendeine Exposition, und diese Fahrten sind lang. Zweieinhalb Stunden unter mäßiger Sonne verbrennen genauso wie zwanzig Minuten unter scharfer. Die Antwort nutzt deshalb den Spitzenwert und die Stunden über der Schwelle. Ab UV 6 kommt „am Umkehrpunkt nachcremen" dazu, weil Schweiß die erste Schicht abträgt und es keinen Schatten gibt, in den man ausweichen könnte.

    Grenzfälle gehen Richtung Ja. Sonnencreme, die du nicht gebraucht hättest, kostet nichts; der andere Fehler kostet eine Woche.

    Woher die Höhenmeter kommen

    Für jede Richtung ist der Boden zur Bauzeit alle 400 Meter entlang der Strecke abgetastet und mitgeliefert. Vorher waren es Schätzungen, die ich neben jeden Abschnitt geschrieben hatte.

    Der naheliegende Weg wäre gewesen, das Höhenraster zu benutzen, das für die Schattierung ohnehin auf der Seite liegt. Der funktioniert nicht: dieses Raster hat 1,5 km zwischen den Stützstellen, also liefert eine Route daraus den Durchschnitt der Landschaft neben der Straße, nicht die Straße. Neben einem hohen Berg ist das grob falsch — der Donauradweg durch die Kahlenberger Enge läuft auf 165 m in einem Tal unter einem Kilometer Breite, und das Raster setzte ihn auf 400 m und schrieb der flachsten Strecke der Seite einen Wienerwald an Höhenmetern zu.

    Zwei Dinge mussten dabei stimmen. Erstens läuft die Abtastung für die vier Donaurouten auf der vermessenen Mittellinie des Flusses statt auf geraden Linien zwischen Ortsnamen: die Donau macht ständig Bögen, und eine Gerade zwischen zwei Orten verlässt das Tal. Zweitens ist das Copernicus-Modell ein Oberflächenmodell, es misst Baumkronen mit. Im Lobau-Auwald ist das ein Sägezahn von 25 m alle paar hundert Meter, der einer pfeilebenen Strecke 600 Höhenmeter andichtete. Geglättet wird deshalb über 2 km, und erst Unterschiede ab 5 m zählen.

    Bei einer Strecke hin und zurück zeigt die Grafik den Hinweg über die volle Breite, nicht beides nebeneinander: heimwärts ist dasselbe Bild von rechts nach links gelesen, und die doppelte Darstellung hat nur die Auflösung halbiert. Eine Runde ist kein Spiegelbild, also steht sie ganz da — und zwar in der Richtung, in der du sie fährst. Die Fläche ist nach Steigung eingefärbt, weil die Gesamtsumme schon als Zahl dasteht — was das Bild allein beantwortet, ist, ob sie als eine Wand kommt oder als fünfzig Wellen.

    Runden, und in welche Richtung herum

    Die meisten Richtungen hier sind hin und zurück: hinaus, umdrehen, dieselbe Linie heim. Eine Runde kommt woanders zurück, und damit stellt sie eine andere Frage. Nicht „wie weit" — eine Runde kann man nicht halbieren, ihre Länge steht fest — sondern in welche Richtung herum. Dieselbe Schleife im und gegen den Uhrzeigersinn sind zwei verschiedene Tage.

    Deshalb wird jede Runde in beiden Drehrichtungen durchgerechnet und die bessere empfohlen, benannt nach dem ersten Ort, den du erreichst. „Im Uhrzeigersinn" hilft nichts, wenn man nicht weiß, wie die Schleife auf der Karte liegt; ein Ortsname ist etwas, wonach man an der ersten Kreuzung abbiegen kann.

    Bei den Ufer-Runden — hinaus an einem Donauufer, über die Schleuse Greifenstein oder die Brücke in Tulln, am anderen zurück — hat diese Frage einen besseren Namen als ein Ort: sie heißt welches Ufer zuerst. Genau das sagt die Zeile dann auch an, statt dich ein Dorf auf der Karte suchen zu lassen. Beide Querungen sind nachgeschlagen und nicht angenommen: die Donaukraftwerk-Straße über die Schleuse ist in OpenStreetMap auf 1,1 km als für Räder freigegeben erfasst, nördlich davon nicht mehr — dort endet der Übergang.

    Deckung zählt asymmetrisch, und das entscheidet die Ufer-Runden mit. Häuser und Baumreihen sind ein Gewinn gegen den Wind und ein Verlust mit ihm — der Rückenwind kommt dann eben auch nicht an. Also: gedeckt hinaus in den Wind, offen zurück mit ihm. Das Nordufer der Greifenstein-Runde ist gedeckt, das steht bei den Daten dabei, und die Seite kommt damit bei West-, Nordwest-, Nord- und Südwestwind von selbst auf diese Reihenfolge und bei Ostwind auf die umgekehrte. Die Regel ist nirgends hingeschrieben; sie fällt aus dem Vorzeichen. Wo ein Abschnitt gedeckt liegt, stehen im Abschnittsband beide Zahlen: die Vorhersage und was davon ankommt.

    Auf einer Runde heben sich die Höhenmeter außerdem nicht abschnittweise auf, sondern erst, wenn du wieder daheim bist. Das ist kein Detail: die erste Hälfte der Wienerwald-Runde hat 79 hm, die zweite 214. Die beiden Ufer-Runden dagegen kommen auf ±56 und ±61 hm — an der Donau entlang und an der Donau zurück ist flach, egal wie weit.

    Pollen — und was fehlt

    Erle, Birke, Gräser, Beifuß und Ragweed kommen stündlich aus der Luftqualitäts-API. Pilzsporen nicht. Die Datenquelle dahinter führt sie schlicht nicht — jede Abfrage danach wird abgelehnt. Weil die österreichischen Prognosen im Spätsommer genau damit beginnen, ist das eine echte Lücke: „Pollen gering" heißt auf dieser Seite „von diesen fünf Arten ist wenig in der Luft", nicht „die Luft ist harmlos". Wenn dich Sporen betreffen, brauchst du dafür eine andere Quelle.

    Dieser Absatz stand eine Zeit lang als Satz auf der Kachel selbst, in jedem Bericht, jeden Tag. Das war gut gemeint und falsch am Platz: ein Satz, der sich nie ändert, ist keine Meldung, sondern Dokumentation im Weg — und er machte die kürzeste Antwort des Tages („kaum Pollen") zum längsten Absatz. Dasselbe galt für die Arten, die gerade bei null liegen: sie aufzuzählen war eine Aussage über die Vollständigkeit dieser Seite, nicht über das Wetter. Beides steht jetzt hier, einmal. Die Kachel sagt, was heute in der Luft ist.

    Woher die Strecken kommen

    Jede Route hier bestand einmal aus Ortskoordinaten, die ich aus dem Kopf getippt hatte. Das hat der Reihe nach produziert: einen Wegpunkt 15 km die falsche Flussmündung hinauf, Kurse, die ihren eigenen Wegpunkten um 40° widersprachen, und einen „Donautreppelweg", der die Burg Greifenstein 280 m darüber war. Bei hin und zurück fällt das kaum auf, weil nur der Umkehrpunkt stimmen muss. Bei einer Runde muss der Rückweg den Hinweg treffen.

    OpenStreetMap führt beschilderte Radrouten als Relationen: rund um Wien 219 benannte, von denen sich 39 sauber zu einer Linie zusammenketten lassen. Der Rest sind Netze, keine Routen — die „Lobau Radrouten" zerfallen in 19 Stücke — und daraus eine Strecke zu nähen erfände Abbiegungen, die niemand beschildert hat. Was durchfällt, wird beim Bauen mit Grund protokolliert.

    Abschnitte, die einer solchen Route folgen, sind entlang ihrer echten Geometrie gezeichnet und abgetastet. Das zahlte sich sofort aus: der Donauradweg (Wien) endet in Kahlenbergerdorf, 3 km vor Klosterneuburg — das Skript hat es gemeldet, und der Abschnitt folgt jetzt dem EuroVelo-6-Ast, der wirklich hinfährt. Was nicht beschildert ist, bleibt eine gerade Linie zwischen zwei Orten, etwa der Übergang von Weidling nach Hadersdorf. Das soll man den Daten ansehen.

    Höhenmeter, in km/h

    Bei einer Strecke hin und zurück ist das Klettern durch die Route fixiert: jeder Meter hinauf am Hinweg ist ein Meter hinunter am Heimweg. Die Summe ist dieselbe, egal in welche Richtung du losfährst — und genau deshalb steht sie neben dem Wind: sie ist der Teil des Aufwands, den die Vorhersage nicht ändern kann. Bei einer Runde gilt dasselbe, nur über die ganze Schleife statt über jeden Abschnitt.

    Damit sich eine flache windige Strecke mit einer geschützten hügeligen vergleichen lässt, werden die Meter in die Einheit umgerechnet, die diese Seite ohnehin überall verwendet — km/h Gegenwind — indem die Leistung gleichgesetzt wird:

    Steigleistung  P = m · g · Höhe / Zeit
    Windleistung   P = ½ρ·CdA · v · ((v + hw)² − v²)

    Nach hw aufgelöst ergibt das den Gegenwind, der genauso weh getan hätte wie der Berg. Bei 85 kg Gesamtgewicht sind 300 hm auf 20 km bei 23 km/h rund 13 km/h Gegenwind — die Größenordnung stimmt. Abfahrten zählen null: die Meter bekommst du als Geschwindigkeit zurück, nicht als gesparte Kraft.

    Sonnenuntergang und letztes Licht

    Zwei verschiedene Fristen. Beim Sonnenuntergang geht die Sonne unter und du willst Licht anhaben; beim letzten Licht — dem Ende der bürgerlichen Dämmerung, Sonne 6° unter dem Horizont — siehst du den Weg wirklich nicht mehr. In Wien liegen je nach Jahreszeit 31 bis 42 Minuten dazwischen.

    Die Vorhersage liefert nur den Sonnenuntergang, die Dämmerung wird hier aus der Sonnendeklination gerechnet. Aus dieser Rechnung wird allerdings nur die Dauer übernommen und auf den Sonnenuntergang der API addiert — so bleiben Zeitzone und Sommerzeit dort, wo sie hingehören.

    Welche Uferseite

    Jedes Ufer hat einen Expositionswert und einen geschützten Sektor — die Richtung, aus der es gedeckt ist. Auf der Handelskai-Seite blockt die Stadt den Südwesten, auf der Donaustadt-Seite Bebauung den Nordosten, die Donauinsel blockt gar nichts. Schutz nimmt den Wind nie ganz weg, rund ein Drittel erreicht dich immer:

    Exposition = Grundwert · (1 − Schutzstärke · max(0, cos(w − Schutzrichtung)))
    gefühlt    = v · (0,35 + 0,65 · Exposition)
    Kosten     = Gegenwind(gefühlt) + 0,35 · |Seitenwind(gefühlt)|

    Jede Hälfte wählt das Ufer mit den geringsten Kosten — deshalb unterscheidet sich die Empfehlung oft zwischen Hin- und Heimweg. Die Rechnung kippt von selbst: gegen den Wind willst du das geschützte Ufer, mit Rückenwind wird der Gegenwind-Term negativ und das offene Ufer gewinnt — du willst, dass der Wind dich erreicht, wenn er schiebt.

    Es ist eine Heuristik, kein Windkanal. Entfernungen sind ungefähre Fahrkilometer. Böen an Brückenpfeilern, der Trichter an der Reichsbrücke und der offene Marchfelddamm werden dich trotzdem überraschen.